Turnusveranstaltung - Die Abrissfrage in Lübeck

Die Abrissfrage in Lübeck – Mapping-Projekt von Studierenden der TH

 

Am Donnerstag, den 16. April, hatte das ArchitekturForumLübeck Studierende der Technischen Hochschule zu Gast, die die Ergebnisse eines einwöchigen Blockseminars im Modul Stadtbaukultur und Bestandsentwicklung präsentierten. Inspiriert vom bundesweiten Abriss-Atlas haben sie abrissgefährdete und kürzlich abgerissene Gebäude in Lübeck untersucht.

Zu Beginn der Veranstaltung gab Alexander Stumm, seit dem Wintersemester 2025/2026 Professor für Theorie der Architektur und Stadt an der TH Lübeck, eine Einführung in die Thematik und die Aufgabenstellung. Dabei wurde insbesondere der Begriff der „Abrissfrage“ eingeführt und eingeordnet. Dr. Stumm berichtete, dass im Rahmen des Blockseminars durch die Studierenden eine umfangreiche Sammlung von aktuell abrissgefährdeten oder in den letzten Jahren abgerissenen Objekten in Lübeck erstellt wurde. Ein Teil dieser Gebäude wurde in Form individueller Steckbriefe aufbereitet und im Rahmen der Veranstaltung von den Studierenden des 6. Semesters im Bachelorstudiengang Stadtplanung präsentiert und erläutert. Der Fokus lag hierbei sowohl auf Informationen zur Architektur und Baugeschichte als auch auf den Hintergründen für den geplanten oder bereits erfolgten Abriss.

Sowohl durch die Breite der Sammlung als auch durch die fundierten Erläuterungen konnte ein umfassender und erkenntnisreicher Überblick über das in Lübeck durchaus präsente und relevante Thema des Abrisses von Gebäuden gewonnen werden.

Im anschließenden Dialog wurde intensiv darüber diskutiert, warum das gesellschaftliche Bewusstsein für Nachhaltigkeit und einen schonenden Umgang mit Ressourcen einerseits und die gelebte Praxis andererseits so stark auseinanderfallen. Deutlich wurde auch die Widersprüchlichkeit vieler Abrissvorhaben – wie etwa die Vernichtung zahlreicher Wohnungen zur Schaffung von Wohnraum. Neben der Problemanalyse wurden auch Lösungsansätze erörtert, beispielsweise die Frage, wie der Wert des Bestands stärker im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert werden kann oder welche Anreize für dessen Erhalt geschaffen werden könnten. Ein Umdenken – dies zeigt die umfangreiche Sammlung der Studierenden zu abrissgefährdeten und kürzlich abgerissenen Gebäuden in Lübeck deutlich – ist dringend geboten.

Wir danken Alexander Stumm sowie den Studierenden der Technischen Hochschule für den informativen und anregenden Abend.

 

Die Seminarergebnisse sollen künftig in den Abriss-Atlas einfließen und so zur Erweiterung der Datengrundlage beitragen.


Im Folgenden ist die vollständige Liste der im Rahmen des Blockseminars von den Studierenden zusammengestellten Gebäude in Lübeck aufgeführt, die entweder vom Abriss bedroht sind oder in den vergangenen Jahren bereits abgerissen wurden:

 

In Steckbriefen durch die Studierenden dokumentierte Objekte


Ehemaliges Kasernenhaus Walderseestraße
Wohnzeilen in der Ratzeburger Allee
Schlachthof
Wohnhaus Damaschkestraße
Gasometer
Hotel Seestern
Sellschopp-Areal
Haus Seeblick
Priwall-Klinik mit Schwesternwohnheim
Parkhaus am Holstentor
Geniner Ufer
Autohaus Lorenzen am Lindenplatz
Kreuzkirche St. Jürgen
Queen´s-Club, Falkenstraße
Moislinger Mühlenweg
Villa Hansestraße
Wohnhaus Margarethenstraße

Weitere Abrissprojekte in Lübeck

Industriekultur
F-Bau am Glashüttenweg
Gesenkschmiede am Glashüttenweg
Tudorhallen, Roddenkoppel
Viehhof
Güterbahnhof
Ölmühle
Schuppen, Falkenstraße

Historische Bauten
Hansehof, Wahmstraße
Bischofsherberge, Große Burgstraße
Kupferschmiede, Hundestraße

Jüngere Bauten
Bunker in der Dr. Julius Leber Straße
Wichern-Werkstätten in Schlutup
Berufsbildungsstätte Priwall
Ehem. Salamander, Breite Straße
Schulen, Gründungsviertel
Haus der Jugend, Fischereihafen, Travemünde
Aquatop Travemünde
Wohnhaus Kahlhorststraße
Verkehrspavillon, Gustav Radbruch Platz  

 

(Stand April 2026)